Blick ins neue Jahr

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Vertreter aus Wirtschaft, Landwirtschaft, Sport und Schule blicken in Zukunft

“Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen”, soll der dänische Physiker Niels Bohr gesagt haben. Fünf Menschen aus unterschiedlichen Berufen wagten es trotzdem, für die BZ einen Blick ins Jahr 2014 zu werfen.

Was die Zukunft des Einzelhandels betrifft, schaut Konrad Buck, der Vorsitzende des BDS Sachsenheim, positiv in Richtung 2014, wie er sagt. Er hat ein stabiles Jahr 2013 hinter sich und rechnet auch für die kommenden Monate nicht mit Einbrüchen für die Branche. Mit einer Einschränkung. „Der Einzelhandel muss sich auf die Hinterbeine stellen. Das ist ein Muss“, sagt Buck. Damit meint er: Die Betreiber von Geschäften werden noch flexibler sein müssen. Ein Punkt ist für den Inhaber von „Buck – House of Jeans“ in Großsachsenheim ganz klar das Internet. Dem könne sich keiner mehr entziehen. Buck selbst macht mittlerweile einen Großteil seines Geschäftes übers Internet – über die eigene Homepage und auch Ebay. Beim Online-Auktionshaus habe in der Sparte Sofortkauf sein Umsatz in der zweiten Hälfte 2013 um 50 Prozent zugenommen; ein Trend, der, so Buck, auch 2014 weitergehen werde. „Da ist noch viel Potenzial.“ Ebenso rege müsse der Einzelhandel vor Ort sein. „Mehr Service“ lautet für Buck die Devise. Für Sachsenheim heiße das: längere Öffnungs- und vor allem sichere Kernzeiten – nach wie vor schlössen dort viele am Mittwochnachmittag –, Events wie Modenschauen und Late-Night-Shopping. 2014 seien Themenabende mit Vorträgen für Verbraucher geplant. Buck: „Wir haben hier die Leute, und die wollen auch einkaufen. Wir müssen nur mehr für uns werben.“

Prognosen für die Landwirtschaft zu stellen, sei sehr schwierig, meint Eberhard Zucker, Vorsitzender des Bauernverbands Heilbronn-Ludwigsburg. Das Wetter, das einen wichtigen Einfluss auf das Betriebseinkommen hat, könne man überhaupt nicht voraussagen. Mit Blick auf die Preise sei festzustellen, dass 2013 die Getreidemarktsituation noch von einer weltweit guten Ernte geprägt gewesen sei, die allerdings auch auf eine gute Nachfrage traf. Zucker: “Von daher sind die Grundbedingungen gut, dass sich die Vorratsbestände bis zur neuen Ernte 2014 nicht allzu hoch aufbauen. Dies könnte bedeuten, dass sich die Getreidepreise je nach Ernteertrag stabil behaupten.”

Aus agrarpolitischer Sicht wird sich das Jahr 2014 nach Meinung des Kreisbauernchefs als “Übergangsjahr zur neuen EU-Agrarreform 2015” darstellen. Ab 2015 werden Zahlungen an die Landwirtschaft an zusätzliche ökologische Forderungen geknüpft. Die Landwirtschaft wünsche sich hier Möglichkeiten, die praktikabel in den Betriebsablauf mit eingebunden werden können, so Zucker. “Für diese Möglichkeiten gilt es im Jahr 2014 aus verbandspolitischer Sicht zu kämpfen.” Er hofft, dass sich die Bevölkerung mit ihrem Einkaufsverhalten noch mehr regionalen Produkten, sei es Fleisch, Milch, Getreide, Wein oder Obst, zuwendet. “Dies hätte für beide Seiten nur positive Auswirkungen”, meint der Kreisbauernchef.

Eine Veränderung steht Dago Leukefeld, dem Frauen-Coach der SG BBM Bietigheim, im Jahr 2014 ins Haus: Der 50-Jährige wird den Erstliga-Aufsteiger nach dieser Saison verlassen. Leukefeld kehrt im Juni in seine Heimat nach Thüringen zurück, wo er eine Handball-Schule betreibt und Camps für den Nachwuchs veranstaltet. Die Doppelbelastung war ihm zuletzt zu viel geworden. “Die SG braucht einen Trainer, der 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche da ist”, sagt Leukefeld. Der frühere Bundestrainer hat im neuen Jahr mehrere spannende Projekte am Laufen. Im Februar erscheint sein erstes Buch, der zweite Teil soll im Herbst folgen. Zudem hofft Leukefeld, dass sein von ihm entwickelter Lehrhandball für Kinder ein Erfolg wird. Er kommt ebenfalls Anfang des Jahres auf den Markt – und zwar in ganz Europa.

Der SG BBM will Leukefeld auch in Zukunft verbunden bleiben. Den Verantwortlichen hat er darum angeboten, seine Erfahrungen auch über die Runde hinaus weiterzugeben, gerade in puncto Trainer- und Spielerausbildung.

Für den Rest der Saison hat Leukefeld mit den Bietigheimerinnen noch einiges vor: Im Umfeld will er eine noch größere Euphorie für den Frauenhandball entfachen. Und in der Liga würde er mit dem Team am liebsten die Endrunde um die deutsche Meisterschaft erreichen, wozu mindestens Platz sechs nötig wäre. Leukefeld: “Das wird aber schwer. Mein Ziel ist es, bis zum letzten Spieltag am 31. Mai jede Spielerin noch ein Stück besser zu machen.”

Für Joachim Treffert, Rektor der Burgfeldschule in Sachsenheim, steht im Jahr 2014 eine elementare Umwandlung seiner Schule von der Grund- und Werkrealschule zur Gemeinschaftsschule an. “Da dies sehr viel mehr sein wird als nur ein Etikettenwechsel, sind damit sehr grundsätzliche Veränderungen verbunden”, beschreibt Treffert die Arbeit, die auf ihn und das Sachsenheimer Kollegium zukommt. Die Grundlagen und Materialien wurden schon vom Kollegium entwickelt und in der derzeitigen Klasse 5 erprobt. Hinzu, kommt ab der Umwandlung im Herbst 2014 zur Gemeinschaftsschule die Einarbeitung der gymnasialen Standards, denn unterrichtet wird für alle Leistungsstufen, von der Hauptschule über die Realschule bis zum Gymnasium, plus inklusiv beschulter Kinder mit unterschiedlichen Behinderungen, erklärt Treffert.

“Für diesen anspruchsvollen Prozess wünsche ich uns allen viel Energie, Kreativität und Geduld”, formuliert der Rektor seine Neujahrswünsche. “Ich wünsche mir auch interessierte Eltern, die in einen fruchtbaren Dialog mit uns treten. Für die Umwandlung auch des Kollegiums wünsche ich uns ein glückliches Händchen. Ein spannendes und hoffentlich erfolgreiches Jahr 2014 steht uns bevor – wir freuen uns darauf”, sagt der Rektor.

Und wie gehts an der Börse weiter? Laut Christoph Lammersdorf, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Börse Stuttgart Holding GmbH, waren im Jahr 2013 die Politik des billigen Geldes der Notenbanken und das Niedrigzinsumfeld bestimmend. Reichlich Kapital sei in die Aktienmärkte geflossen – auch mangels renditeträchtiger Alternativen. So erreichten der deutsche Leitindex DAX und andere Indizes neue Höchststände. Lammersdorf erwartet, dass sich auch 2014 die Niedrigzinsphase zunächst fortsetzt. “Vor diesem Hintergrund sollten sich Privatanleger intensiver denn je Gedanken machen, wie sie Chancen an den Kapitalmärkten nutzen und nennenswerte Renditen erwirtschaften können”, lautet sein Rat. Lammersdorf zufolge ist das Vertrauen in die Finanzmärkte auf Anlegerseite derzeit wieder etwas deutlicher zu spüren. Hinzu komme ein positiver Ausblick für die Realwirtschaft: “Viele Unternehmen in Deutschland sind nicht nur sehr gut aufgestellt, auch die prognostizierten Wachstumszahlen sind vielversprechend.”

Autor: VON UNSEREN REDAKTEUREN, erschienen in: Bietigheimer Zeitung am 28.12.2013

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