Ehemalige Bundesliga-Spielerin fliegt direkt aus Guadalajara ein

0

Die beiden mexikanischen Restaurants in Zwickau dürfen sich auf einen neuen Stammgast freuen. Und das aus gutem Grund.

Zwickau. “Ja, das ist mexikanisch” hat Caterina Valente in ihrem Hit “Tipitipiti-tipitipitipso” einst gesungen. Susanne Schmidt ist zu jung, um den alten Schlager von 1957 zu kennen, aber der Satz aus dem Refrain könnte auch von ihr stammen. Schließlich hat sie anderthalb Jahre im Land der Maya und Azteken verbracht. Erst seit Mitte vergangener Woche ist sie wieder zurück.

Obwohl ihr die Reisestrapazen noch in den Knochen steckten, lief sie am Freitagabend erstmals im Trikot des Handball-Zweitligisten BSV Sachsen auf. In der kommenden Saison soll die Linkshänderin ihre Erstliga-Erfahrung (Buxtehuder SV, Eintracht Minden) in Zwickau einbringen – in einer Doppel-Aufgabe als Spielerin in der ersten Mannschaft und Trainerin des Sachsenliga-Teams. “Das ist eine Herausforderung. Ich freue mich aber darauf”, sagt die gebürtige Schwerinerin, die eine Wohnung in Neuplanitz bezogen hat. “Ich bin sehr motiviert und hoffe, dass alles gut laufen wird.”

Bei der Erwärmung vorm ersten Testspiel gegen Bayreuth ist Susanne Schmidt zwischen BSV-Kapitän Claudia Stein und Torjägerin Jenny Choinowski gelaufen. Bestimmt hat sie ihnen von ihrer aufregenden Zeit in Mexiko erzählt. Die Studentin der Fachhochschule Bielefeld absolvierte an der Universität Guadalajara ihr viertes und fünftes Master-Semester der Angewandten Sozialwissenschaften. “Zuerst habe ich dort studiert, dann bin ich noch länger geblieben und habe als Handballtrainerin und Sprachlehrerin gearbeitet”, berichtet die 33-Jährige, die sich auch etwas umstellen musste. “Das mexikanische Leben ist ganz anders als hier. Eine andere Welt. Deutsche Pünktlichkeit gibt’s da nicht.”

Auch das Handball-System ist anders aufgebaut. Was in Deutschland auf Liga-Ebene passiert, läuft in Mexiko über Universitätsmannschaften, die im Turniermodus spielen. Sie hat als Trainerin mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen gearbeitet. Da Handball in Mexiko nicht gerade populär ist, musste sie mit den Grundlagen anfangen. Umso mehr erstaunte sie die Aufgeschlossenheit und Begeisterung der Mittelamerikaner. “Sie sind sehr interessiert am Handball”, hat Susanne Schmidt festgestellt. “Die Kids wollen lernen. Wenn man eine Einheit eröffnet, dann kommen zu jedem Training immer mehr Kinder hinzu.” Heranwachsende in Mexiko haben selten die Chance, an Sportklassen teilzunehmen. “Bekommen sie aber die Möglichkeit, setzen sie sich mit vollem Herzen ein, sind hilfsbereit und sehr rücksichtsvoll im Umgang miteinander.”

Der Auslandsaufenthalt hat ihr gut getan. Nicht nur, weil sie mal über den Tellerrand hinausschauen, ein anderes Land und eine andere Kultur kennenlernen konnte. Der Perspektivwechsel öffnete ihr für viele Dinge die Augen und brachte sie persönlich weiter. Die Neuverpflichtung des BSV Sachsen hat ihr Studium aber noch nicht beendet.

“Ich bin jetzt dabei, meine Master-Arbeit zu schreiben und hoffe, dass ich im Januar/Februar mein Examen machen kann”, blickt die 33-Jährige voraus. Begonnen hat sie ihre sportliche Karriere beim VfL Bad Schwartau. Zuletzt wohnte sie in Minden, in der Nähe ihres Studienorts Bielefeld. Der Kontakt zum Verein kam über den früheren Bundestrainer Dago Leukefeld zustande. “Wir haben uns ein bisschen ausgetauscht, und da hat er mir Zwickau empfohlen”, berichtet Schmidt, die unverheiratet ist. “Ich kenne die Stadt, ich war als Kind ein paar Mal hier zu Besuch. Aber das ist schon lange her, es sieht heute vieles anders aus.”

Seit ein paar Tagen trainiert sie mit der ersten Mannschaft in Neuplanitz. Gestern wurde sie der zweiten Vertretung vorgestellt, die nach dem Rückzug aus der Mitteldeutschen Oberliga unter ihrer Leitung neu aufgebaut werden soll. Als Co-Trainerin beim BSV II steht ihr mit Virginia Leonida Esquivel Garduna ein weiterer Neuzugang zur Seite. Ja, auch die ist mexikanisch.

Autor: Thomas Croy, erschienen in: Freie Presse am 06.08.2013

0
Share.

Comments are closed.