Handball-Trainer Dago Leukefeld zurück in der Bundesliga

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Dago Leukefeld (50) kehrt zurück – für einen Tag. Wenn der Thüringer HC am 31. August in der Salza-Halle gegen die SG Bietigheim in die neue Saison der Handball-Bundesliga der Frauen startet, sitzt der einstige THC-Trainer (2004 bis 2010) als Chef auf der Bank des Aufsteigers. Über die bevorstehende Spielserie, die Dominanz seines Ex-Vereins und seine persönliche Entwicklung sprach die TLZ mit dem Erfurter.

Sie haben einmal gesagt, dass Sie nie wieder auf der Trainerbank sitzen wollen. Warum sind Sie jetzt dennoch zurück in der Bundesliga?

Ich musste ehrlich gesagt lange überlegen. Ich habe im Januar meine Tätigkeit als Berater bei der SG Bietigheim begonnen und dem Verein zum Aufstieg verholfen. Das sollte es dann aber auch gewesen sein.

Sie haben sich überreden lassen?

Man wollte mich unbedingt länger verpflichten. Nach der Insolvenz beim VfL Sindelfingen vor zwei Jahren, was eine sehr schmerzvolle Erfahrung war, wollte ich mich nicht mehr an einen Verein binden und mich in solch eine Abhängigkeit begeben. Ich bin danach einen neuen Weg gegangen. Ich veranstalte Seminare für Trainer, kümmere mich inzwischen europaweit mit Handball-Camps um die Entwicklung der Talente, schreibe Lehrbücher zum Handball-Training mit Kindern und berate Vereine wie zum Beispiel den Zweitligisten Sachsen Zwickau.

Das wollen Sie nicht aufgeben?

Nein, diese Arbeit macht mir riesig Spaß und ist spannend. Ich bin zum Beispiel gerade dabei, einen Lehrhandball zu entwickeln, mit dem Kinder das richtige Werfen üben können.

All das können Sie jetzt mit Ihrer Arbeit als Trainer in Bietigheim verbinden?

Das waren meine Bedingungen, bevor ich für zwei Jahre unterschrieben habe. Der Bundesliga-Spielplan mit den zahlreichen Mittwoch-Spielen lässt das durchaus zu.

Ist es ein besonderes Duell für Sie, wenn Sie mit Ihrer Mannschaft am 31. August ausgerechnet beim Thüringer HC in die Saison starten?

Die Situation ist ja nicht neu. Ich habe nach meinem Weggang schon mit Sindelfingen in Bad Langensalza gespielt. Dennoch ist es schon ein besonderes Spiel, auf das ich mich freue.

Obwohl im Frühjahr 2010 die Stimmung zwischen Ihnen und der Vereinsführung nach der Nicht-Verlängerung Ihres Vertrages eher frostig war?

Das war damals nicht schön. Ich hätte mich diplomatischer verhalten sollen. Vielleicht wäre es vom Verein auch besser gewesen, man hätte mich eher von den Plänen unterrichtet. So aber war ich ziemlich dickköpfig. Ich bedauere das, aber akzeptiere einfach die Entscheidung.

Wie bewerten Sie die sportliche Aufgabe am 31. August?

Wir haben keine Chance. Der Thüringer HC ist eine der besten Mannschaften der Welt. Für uns ist es die perfekte Vorbereitung auf die kommenden Aufgaben. Wir spielen danach gegen Weibern und Bensheim, was wichtige Spiele für uns sind.

Der HC Leipzig hat angekündigt, den Thüringer HC den Meistertitel streitig machen zu wollen. Welche Chance räumen Sie diesem Unterfangen ein?

Ich weiß nicht, wie das gehen soll. Aus meiner Sicht ist der Thüringer HC konkurrenzlos in der Bundesliga.

Wie sehen Sie die sportliche Entwicklung des Thüringer HC allgemein?

Der Verein will erfolgreich sein. Insofern ist eine klare Linie zu erkennen. Denn alle Vorhaben werden über den Erfolg definiert. Deshalb ist es richtig, die erste Mannschaft und die B-Jugend maßgeblich zu fördern. Ob das natürlich nachhaltig für den gesamten Verein ist, steht auf einem anderen Blatt.

Was bringt diese Entwicklung dem deutschen Frauen-Handball?

Wenn deutsche Nationalspielerinnen wie Anja Althaus, Nadja Nadgornaja, Kerstin Wohlbold oder Jana Krause mit dem Thüringer HC in der Champions League hart gefordert werden, kann das nur gut sein.

Welche Rolle trauen Sie dem Thüringer HC in der Champions League zu?

Er ist mein Geheimtipp. Aus meiner Sicht kann die Mannschaft es schaffen, sogar bis ins Halbfinale vorzustoßen.

Welche Ambitionen haben Sie mit Ihrer eigenen Mannschaft ?

Ziel des Vereins ist es, dass wir uns in der Bundesliga etablieren und den Nachwuchs an diese Aufgabe heranführen. Im gesamten Verein gibt es immerhin fast 40 Mannschaften im Spielbetrieb. Aber alles muss Schritt für Schritt erfolgen.

In dieser Saison steigt nur eine Mannschaft ab. Wird dadurch der Druck geringer?

Klar, das ist so. Zumal in meiner Mannschaft nur vier Spielerinnen mit Erfahrungen aus der Bundesliga stehen.

In der Saison 2014/2015 wird die Liga auf 14 Vereine aufgestockt. Ist das ein richtiger Schritt?

Aus Sicht der SG Bietigheim ist das wohl ein Glücksfall. Wenn man das genauer betrachtet, kann ich das allerdings nicht begrüßen. Es besteht die Gefahr, dass Vereine wieder wirtschaftliche Risiken eingehen, um die Bundesliga zu meistern. Und: Was hilft es dem Thüringer HC oder dem HC Leipzig, wenn eine Mannschaft mehr in der Bundesliga spielt, gegen die man sowieso locker mit 20 Toren gewinnt? Da sehe ich keinen Sinn.

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