Radikaler Schnitt nach dem Klassenerhalt

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(Trier) Nachdem am Samstag der Klassenerhalt perfekt gemacht wurde, laufen bei den Handball-Miezen die Zukunftsplanungen auf Hochtouren. Ein radikaler Sparkurs mit einschneidenden Maßnahmen soll den Verein in ruhigere Bahnen lenken, zudem muss der aktuelle Etat noch gedeckt werden.

Trier. Sie feierten den Punkt in Celle, der den Klassenerhalt bedeutete (siehe eigener Text), aber für die Vereinsverantwortlichen beginnt nun mit der Gewissheit, in die 13. Bundesliga-Saison zu gehen, die Hauptarbeit. Finanziell klafft noch eine erhebliche Lücke – am 15. April weiß die MJC zumindest, ob sie eine Bundesligalizenz bekommt. Bis dahin soll auch das Konzept für die Zukunft stehen, an dem vor allem Trainer Dago Leukefeld und Vorstand Jürgen Brech arbeiten – Motto: Überall wird radikal gespart, damit es nicht alljährlich zum Tanz auf der Rasierklinge kommt.
Der TV stellt die Eckpunkte vor.

Die Grundidee: Deutlich niedrigere Ausgaben, dennoch mehr Akzeptanz bei Fans und Sponsoren. “Wir müssen hart am Image arbeiten”, sagt Leukefeld, der zugibt: “Es wird einen radikalen Schnitt geben.” Zudem soll sich der Verein stärker in der Region, zum Beispiel in Schulen, engagieren, es soll Konstanz beim Personal (Spielerinnen und Trainer) geben, es sollen, so Leukefeld, “Ruhe und Sachlichkeit” einkehren. Und das alles ohne den langjährigen Macher Martin Rommel, der nach dieser Saison definitiv aufhört.

Die aktuellen Finanzen: Es geht nicht nur um eine mindestens fünfstellige Summe, die im aktuellen Etat fehlt, sondern auch darum, dass private Gläubiger auf ihre teilweise langjährigen Forderungen in Form von Darlehen verzichten. Anders sind ein Schnitt und ein echter Neustart, der im Gegensatz zum Vorjahr auch nachhaltig ist, nicht möglich.

Der Kader:“Mit allen Spielerinnen, die keine Berater haben, haben wir gesprochen, sie wollen auch bleiben”, spricht Leukefeld auf Nachwuchskräfte wie Monz, Kockler, Rost, Adeberg, Zelmel, Schmele, Vallet, Derbach, Premm oder Lennartz an. Mit den drei serbischen Profis Djeric, Radojicic und Vojcic sowie der Polin Wilamowska wird noch geredet. Aber der künftige Trend geht wohl dahin, dass es keine Vollprofis bei der MJC mehr geben wird. Junge deutsche Spielerinnen, die von zwei “Köpfen” geführt werden, schweben Leukefeld vor. Ziel sei es, Spielerinnen Ausbildungs-, Arbeits- oder Studienplätze zu bieten, Handball soll nicht das Haupteinkommen sein – das soll auch für die “Köpfe” gelten.

Der Trainer: “Es wird definitiv keinen hauptamtlichen Trainer mehr geben”, sagt Leukefeld. Ein Profil hat der Verein schon erstellt: Jung, hungrig, fokussiert auf Nachwuchsförderung – und er oder sie muss einem Beruf nachgehen. Namen zu diesem Profil gibt es noch nicht, der Verein will aber gezielt potenzielle Kandidaten ansprechen. “Wir suchen einen Handball-Bekloppten”, sagt Leukefeld.

Leukefelds künftige Rolle:“Definitiv kein Miezen-Trainer”, sagt der Thüringer. Er wird – wie schon im Januar berichtet – dem Verein in Sachen Talentförderung, aber auch für Marketing und Sponsoren beratend zur Seite stehen. “Eine Woche pro Monat werde ich in Trier sein.”

Die Vereinsführung:Leukefeld und Brech führen derzeit intensive Gespräche vor allem mit regionalen Wirtschaftsvertretern. “Wir wollen uns in Vorstand und Aufsichtsrat breit aufstellen”, sagt der Noch-Trainer, der zudem eine stärkere Vernetzung in der Region, aber auch mehr Transparenz verspricht. Ziel: “Wir müssen uns organisatorisch, sportlich und vor allem finanziell an dem orientieren, was in Trier machbar ist.” Leukefeld spricht von “positiven Kontakten”, daher wollen die Miezen auch beim letzten Heimspiel gegen Göppingen “Werbung in eigener Sache” bei Wirtschaftspartnern betreiben.

Die zweite Mannschaft: “In eigenständiger Form wie bisher wird es keine zweite Mannschaft mehr geben”, sagt Leukefeld – was bedeutet, dass das Team aus der 3. Liga abgemeldet wird. Kernproblem ist das fehlende Personal. Denkbar sei, gewisse Talente mit einem Zweitspielrecht bei anderen Vereinen auszustatten.

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