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Ex-Bundestrainer Dago Leukefeld übt Kritik: „So geht der Frauenhandball kaputt“

Jürgen Frey, Stattgarter Nachrichten, 26.11.2019

Dago Leukefeld war Bundestrainer der Frauen und Juniorinnen und hat auch in der Region Spuren hinterlassen. Im Interview vor der Handball-WM in Japan kritisiert er den DHB und die Bundesligisten für ihre fehlende Wertschätzung für Nachwuchstrainer.

Herr Leukefeld, was dürfen wir vom deutschen Team bei der WM erwarten?

Wir haben wie immer ein gutes Team beisammen, aber große Sprünge nach vorne kann ich nicht feststellen und ich erwarte sie auch nicht.
Wobei wir uns im Bereich der Spielanlage deutlich verbessert haben.

Das klingt ziemlich ernüchternd.

Es ist die Realität, dass uns Weltklassespielerinnen, vielleicht mit Ausnahme von Kim Naidzinavicius, fehlen. Die Stars der Branche spielen in Osteuropa. Wir haben in der Bundesliga kein einziges europäisches Spitzenteam. Gut ist aber das Spielerinnen wie Jule, Shenja und Xenia Erfahrungen im Ausland sammeln.

Woran liegt das?

An der fehlenden Wirtschaftskraft und dem nicht vorhandenen Interesse am Frauenhandball. Teilweise sind die Probleme auch hausgemacht.

In wie Fern?

Die Crux liegt im Bereich der Trainer. Die besseren sind bei den Jungs. Im weiblichen Bereich ist man froh, wenn es irgendjemand macht. Der Papa, die Mama, zur Not die Oma. Die Trainer an der Basis werden allein gelassen.

Von wem?

Vom Verband, von den Vereinen. Sie bekommen keine Unterstützung, keine Hilfe von Profis, keine praktischen Tipps, keine Fortbildung, keine Literatur.

Das lässt sich doch aber nicht Verallgemeinern.

Zum Großteil schon. Wir brauchen eine brutale Traineroffensive. So jedenfalls geht der Frauenhandball kaputt. Es kann nicht sein, dass Gelder nur in die erste Mannschaft gesteckt werden und der Jugendtrainer soll am besten noch Geld mitbringen. Die Wertschätzung für die Nachwuchstrainer ist eine Katastrophe. Diesen Schuh muss sich auch der Deutsche Handballbund (DHB) anziehen.

Warum?

Weil der DHB diese Traineroffensive bisher nicht angestoßen hat. Ich habe den Eindruck, der Verband ist so weit weg von der Realität, wie die Neckarsulmer Sport-Union vom Champions-League-Sieg.  Der Kontakt zur Basis ist verloren gegangen.

Der Sportvorstand  des DHB trainiert selbst eine Jugend bei der Spvgg Mössingen.

Dann müsste Axel Kromer wissen, dass es wichtig wäre, Geld in die Qualität der Jugendtrainer zu stecken und nicht im Zuge der geplanten DHB-Strukturreform zehn Euro von den Mitgliedern zu verlangen, die dann in den Leistungssport fließen.

Der DHB kooperiert doch aber mit Schulen und Kindergärten, um Kinder abzuholen, die man außerhalb dieser Institutionen nicht erreicht.

Das klingt nach außen erst mal ganz gut. Doch die Nachhaltigkeit ist dadurch nicht gegeben. Wissen Sie wie viel Prozent der Handballerinnen in der Zeit zwischen der B-Jugend und dem Einstieg in eine aktive Mannschaft aufhören?

Vielleicht 50, 60 Prozent?

Es sind 90 Prozent. Da mögen schulische Gründe mit reinspielen, aber der Hauptgrund ist, dass diese Spielerinnen die Lust verlieren, da sie zu wenig gefördert werden. Darf ich Ihnen ein Beispiel geben?

Bitteschön.

Neulich habe ich eine Trainerin gefragt, warum sie diese Mannschaft trainiert. Die Antwort: Weil ihre Enkelin mitspielt. Ich habe nachgehakt, was sie trainiere. Sie sagte, na eben so, was sie vor 20 Jahren auch trainiert wurde.

Die Alternative wäre vielleicht, dass es keinen Trainer gibt und die Mannschaft zurückgezogen werden muss.

Genau da sind wir wieder beim Thema. Die Qualität der Jugendtrainer kann nur gesteigert werden, wenn die Wertschätzung da ist. Da nehme ich vor allem die Bundesligisten in die Pflicht. Sie müssten mit ihrem Know how verpflichtet werden, an der Basis Aufbauarbeit zu leisten. Aber was machen sie: Sie erschwindeln sich teilweise das Jugendzertifikat und demontieren die Kleinen. Sie lotsen schon im D-Jugend-Alter die Spielerinnen von ihren Stammvereinen weg.

Die Proficlubs werden ihrer Verantwortung nicht gerecht?

Ja. Was bringt denn ein Star-Aktionstag mit einer Bundesligaspielerin an einer Schule und dann eine Wiederholung ein Jahr später? Da steckt doch kein Konzept dahinter. Vielmehr müssten die Spielerinnen regelmäßig an der Basis bei den kleinen Vereinen die Kids begeistern.

In Württemberg gibt es die neu eingeführte Grundschulliga, wodurch nicht nur Einblicke in die Sportart gegeben werden, sondern auch Erfahrungen im Wettspielbetrieb gesammelt werden können. Ist das kein Ansatz?

Wenn der Handball auf die Kinder und Jugendlichen zugeht, ist das immer positiv. Aber noch einmal, das Kernproblem bleibt der Jugendtrainer. Er ist der wichtigste Multiplikator. Wenn 15 Elfjährige Mädchen vom Training heimkommen und sagen „man war das cool heute“, dann erzählen das 15 Eltern weiter in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis.

Was schließen wir daraus?

Dass die Vereine endlich begreifen müssen, nicht noch mal 500 Euro für einen abgehalfterten Spieler in die erste Mannschaft zu stecken, sondern in die Qualität der Nachwuchstrainer.

Zum Schluss doch noch mal der Schlenker zur Frauen-WM. Ihr Tipp: Wer wird Weltmeister und wo landet das deutsche Team?

Die üblichen Verdächtigen spielen sicherlich wieder die entscheidende Rolle Norwegen, Holland , Rußland .wenn wir in der Abwehr und im Tempospiel zulegen ist viel möglich. Realistisch ist aus meiner Sicht eine Platzierung um Platz 6.

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