Was macht eigentlich…?

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Blomberg. Der Frauenhandball in Blomberg ist ganz eng mit seinem Namen verbunden: Dago Leukefeld. Ohne den heute 52 Jahre alten gebürtigen Thüringer als einer der Väter des späteren Erfolges würde es die HSG Blomberg-Lippe in ihrer heutigen Form vielleicht gar nicht geben.

Als Leukefeld, der bereits im Alter von 23 die Erfurter Frauen coachte – und damit jüngster Trainer der DDR-Oberliga war – 1993 nach Blomberg kam, um die HSG Herrentrup/Blomberg als Zweitligist zu übernehmen, steckte in Verein und Umfeld noch vieles in den Kinderschuhen.

»Ich habe dem Vorstand damals mein Jugendkonzept vorgestellt und mir wurde gesagt, dass es nicht umsetzbar sei, mit Kindern und Jugendlichen drei bis vier Mal pro Woche zu trainieren«, kann sich Dago Leukefeld noch gut an sein erstes Treffen mit den HSG-Oberen erinnern.

Dass es doch möglich war, stellte sich allerdings in den folgenden Jahren erfolgreich heraus. Leukefeld stand nämlich nicht nur an der Seitenlinie der Frauen-Mannschaft, die er 1996 in Liga eins führte, sondern spielte auch aktiv in einer Herren-Truppe, trainierte mehrere Jugend-Teams und bot für die talentiertesten jungen Handballer des Vereins wöchentliche Förder-Einheiten an. Inhalt: Taktik und Technik.

»Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen hat mir schon immer sehr viel Spaß gemacht. Entscheidend sind hier vor allem drei Faktoren: laufen, springen, werfen. Darauf kann man aufbauen«, sagt Leukefeld, der nach seiner Blomberger Zeit (Leukefeld: »Diese Jahre waren einfach geil und ich bin auch heute noch gerne in Blomberg und habe Kontakt zu Blombergern.«) von 2000 bis 2001 Frauen-Nationaltrainer war, mit Trier (von 2001 bis 2004) 2003 Deutscher Meister wurde, zwischen 2004 und 2010 als Trainer für den Thüringer HC verantwortlich war und anschließend auch noch in Sindelfingen und Bietigheim arbeitete.

Seit 2012 betreibt er unter dem Namen Leukefeld Handball eine Handballschule und bietet unter anderem Trainingscamps an. »Die Camps dauern oft zwei, drei Tage und sind für die ganze Jugendabteilung eines Vereins, inklusive Trainer, möglich. Ich fahre aber auch mit ins Trainingslager, bringe eigene Trainer mit und möchte meine Erfahrung so weitergeben«, erläutert der erfahrene Coach, der auch Referent tätig ist und derzeit an einem großen Projekt arbeitet.

Kann sich Leukefeld, der heute in Erfurt lebt und seit 2013 mit einer ehemaligen Bundesliga-Spielerin verheiratet ist, denn noch eine Rückkehr ins tägliche Trainer-Geschäft vorstellen?

»Ich schließe das nicht aus, berate mit Zwickau derzeit einen Frauen-Zweitligisten, bin momentan aber froh, nicht immer an Ergebnissen und Tabellenständen gemessen zu werden. Zudem genieße ich es nach 30 Jahren als Trainer auch, beispielsweise Zeit für Golf zu besitzen und habe mir dort einen weiteren, handballunabhängigen Freundeskreis aufgebaut«, unterstreicht Leukefeld.

Den Frauenhandball verfolgt er aber nach wie vor sehr intensiv: »Ich bin immer noch nah dran, sehe die Entwicklung aber eher negativ. Frauen-Handball ist ein gutes regionales Produkt, das Interesse der großen Öffentlichkeit steht und fällt aber mit einer erfolgreichen Nationalmannschaft. Deshalb muss bei der Weltmeisterschaft 2017 etwas passieren.«

Angetan ist der Handball-Experte allerdings von der HSG Blomberg-Lippe: »Hier wurde mit der ersten Mannschaft in der Bundesliga, einer starken Zweiten in Liga drei, dem Internat sowie A- und B-Jugend-Teams, die regelmäßig um Titel mitspielen, etwas aufgebaut, das es bundesweit auf ähnlichem Niveau nur noch in Buxtehude gibt. In Blomberg hat man zudem verstanden, dass für die Spielerinnen auch eine schulische oder berufliche Ausbildung für das Leben neben dem Handball wichtig ist. Den Beruf Handballer gibt es nämlich, den der Handballerin eigentlich nicht.«

Ein Wermutstropfen besteht aus Sicht des Thüringers trotzdem: In Blomberg hat noch keines seiner Handball-Camps stattgefunden. »Aber das kann ja noch kommen«, meint Dago Leukefeld mit einem Lächeln.

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